Der Podcast vom Museum für Naturkunde Berlin
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00:00:05: Beats & Bones, der Podcast vom Museum für Naturkunde Berlin wissen aufs Ohr in Kooperation mit der Berliner Sparkasse.
00:00:14: Wenn sozusagen die Erde einmal Tabula rasa macht danach haben alle überlebenden Organismen natürlich einen großen Spielplatz um sich neu zu entfalten weil alle möglichen ökologischen Nischen sagen wir mal nicht mehr im vollen Umfang vorhanden sind.
00:00:28: Nach einem Massenaussterben werden die evolutionären Karten neu gemischt.
00:00:33: Und heraus kommen die wunderlichsten Wesen!
00:00:36: Eines davon ist der Mira-Saurer Graufogeli, er bringt eine Spezialität mit den Forschenden staunenlässt.
00:00:44: Einer, der sich dem wunderlichen Kerl mal genauer angeschaut hat, ist Dr.
00:00:50: Christian Fodd.
00:00:51: An der Nordkristin Rostock ist er aufgewachsen und hat da auch gleich studiert – erstmal im Fachbiologie.
00:00:59: Zu den Steinen ist er dann später durch seine Promotion in München gekommen.
00:01:03: Christian isst also nicht nur zur Lohre, sondern vor allem Paleontologer und forscht seit twenty-fünfundzwanzig am Museum für Naturkunde Berlin!
00:01:13: Dass er sein Ding gefunden hat, erkennt man daran dass Christian so erfüllt ist das neben seinem
00:01:19: Forscherberuf
00:01:20: kaum noch ein anderes cooles Hobby platzert.
00:01:23: Und nach der über neunzigsten Folge kann ich's ja mal sagen.
00:01:27: Leidenschaft im Beruf, das findet sich unter PaläontologInnen verblüffend häufig.
00:01:33: Christians Dino-Wissen ist gelindegesagt solider wie die steinenden Funde, die er untersucht.
00:01:39: Unter anderem forscht er zur Entwicklung von Reptilien und dem Ursprung der Vögel – und letzteres hat ihn zum Miras Saurer gebracht!
00:01:48: Ein Fund, der viele Forscher-Kolleginnen verblüfft hat und die Evolutionsgeschichte um ein weiteres Puzzleteil ergänzt.
00:01:55: Los geht's!
00:01:56: Und damit auch ein herzliches Willkommen an Moderator und Horst des Podcasts Lukas Glaszinski.
00:02:05: Lieber Christian, erst mal schön, dass du da bist.
00:02:07: Hallo, schönen guten Tag.
00:02:08: Du forscht am Ursprung der Vögel und an Raubsauriern?
00:02:11: Hast du unter anderem zum ersten Vogel der Welt dem Archäoptrix geforscht?
00:02:15: Was fasziniert dich an deinem Forschungsgebiet?
00:02:18: Ja, das ist in frühen Kindern entstanden.
00:02:20: So mit knapp fünf Jahren habe ich so mein erstes Dinosaurierbuch in die Hände bekommen und... Seitdem
00:02:24: nicht mehr losgelassen?
00:02:25: Genau also neben denen sagen wir mal vielleicht bestialischen Darstellungen der Tiere hab' ich glaube ich aber ein gewisses Fable für die Ästhetik von Skeletten einfach.
00:02:35: Und ich mag halt noch einen.
00:02:37: Okay!
00:02:38: Und zu den Raubdinosauriern bin ich halt eben gekommen weil sie halt eben so ein bisschen martialisch bedrohlich ausschauen.
00:02:45: Und als dann vor ungefähr zwanzig Jahren nochmal richtig Bewegungen reinkam in diese Hypothese, dass moderne Vögel im Grunde fliegende Raubdinosaurier sind hat mich die Faszination noch einen wenig mehr ergriffen, als sie damals schon vorhanden war und deswegen habe ich mich versucht, darauf zu spezialisieren im Raum meinen Studiums.
00:03:07: Das hatte ich auch zum Mira Soura gebracht!
00:03:10: Was war im Forschungsteam um den Mira Saura deiner Aufgabe dein Gebiet?
00:03:15: Naja, sagen wir mal so.
00:03:16: Als ich studiert habe, hab' ich nicht Paleontologie studiert sondern Biologie an der Uni Rostock und wollte ein paleontologisches Thema bearbeiten Das ist dort aber nicht gab.
00:03:25: Also musste ich mir eine Notlösung ausdenken.
00:03:27: Und weil das Thema Feder-Evolution zu dem Zeitpunkt sehr on vogue war Habe ich mir halt einfach mal angeguckt was kücken von verschiedenen Vogelarten für Federtypen halt haben, weil normalerweise identifiziert man das als einfache Dunfedern.
00:03:41: Und diese einfachen Dunfederen wurden auch immer gerne als so ein Art Modell für Federn bei Dinosauriern genommen.
00:03:48: und ich habe mir dann einfach mal angeguckt wie ist die Vierfalt?
00:03:51: Die morphologische VierFalt bei diesen Dunfeddern, bei den verschiedenen Vogelsgruppen gibt es da auch einen evolutiven Trend.
00:03:57: und im Rahmen dieser Diplomarbeit hab' ich dann sozusagen meine Erkenntnisse in dem Aufbau wie Federn erworben und wie sich diese entwickeln.
00:04:06: Und damit habe ich sozusagen eine Möglichkeit gefunden, mich in diesem Bereich Vogel-Evolution Fuß zu fassen.
00:04:12: Daher wurde ich halt eben dazu gerufen weil ich mich mit Federmorphologie ganz gut auskenne.
00:04:18: Wie hat der Mira Saurer überhaupt seinen Namen bekommen, also Wundersaurier.
00:04:24: Habt ihr das als Marketing-Gag einfach euch ausgedacht?
00:04:27: Weil hat ja ganz gut funktioniert glaube ich ne?
00:04:29: Ich
00:04:29: glaub es liegt einfach daran dass einer unserer Co-Autoren der Hans Dieter Süß einfach ein Fäbel für alte Sprachen hat.
00:04:34: Aber jetzt ist natürlich auch ein wunderliches Tier und von daher war schon sagen wir mal vielleicht gut dass man das irgendwie in den Namen einpreist was wundersammes ist.
00:04:44: Wie
00:04:45: sieht er denn aus?
00:04:46: der Saurier oder Sauri...
00:04:48: Man kann ihn ruhig als Saurias, also ein kleines Reptil zeichnen.
00:04:51: Er hat eine echsenartige Gestalt der Schädel ähnelt vielleicht einer Anoles-Eidekse ein wenig mit einer spitzen Schnauze großen Augen und das Tier mag so knapp zwanzig Zentimeter lang gewesen sein vielleicht fünfundzwanzig wir haben das nicht vollständig erhalten.
00:05:10: und besonders auffallend ist halt eben bei diesem Tier, das es halt auf dem Rücken ganz lange Hautanhänger hat.
00:05:16: Die ein Art Kamm bilden.
00:05:17: und dieser Hautanhänger die können auch über zwanzig Zentimeter lang sein.
00:05:21: bei ausgewachsenen Tieren
00:05:22: Also eher Chameleon ähnlich oder eher Gekko ähnlich?
00:05:25: Er würde
00:05:25: eher aussehen wie ein Chamelleon aber mit dem Kopf einer Anoloseidechse.
00:05:30: Wo und wann wurde denn Herr Mira Saurer gefunden?
00:05:32: Der Mira Sauer, der wurde schon neun zum neununddreißig gefunden.
00:05:36: Und zwar im Mai.
00:05:37: tatsächlich wurden beides Gelettfunde am selben Tag gemacht.
00:05:40: Und der Finder war ein Hobbypaleontologe mit dem Namen Louis Graufvogel und seine Lokalität die er damals entdeckt hatte, die gehört heute in eine geologische Formation, die heißt Gräser-Wolzia Formation und die datieren wir in die untere Stufe der mittleren Trias Und das Ganze befindet sich in den Wogesen.
00:06:02: Das heißt also im südlichen Osten von Frankreich, in der Nähe von Mühlhaus.
00:06:07: Der
00:06:07: Fund hat ja vor neunzig Jahren stattgefunden.
00:06:10: Warum dauert es so lange bis der Fund dann wissenschaftlich überhaupt richtig eingeordnet wurde?
00:06:14: Also
00:06:14: ich kenne die genaue Situation vom Herrn Graufvogel halt eben nicht.
00:06:18: Ich weiß dass seine Tochter ist Geologin.
00:06:21: Die hat auch über die Fundstelle gearbeitet geologisch und entsprechende Untersuchung zur Flora und Fauna da gemacht, hauptsächlich die Inwerte beraten.
00:06:31: Und dann halt eben die Pflanzenwelt.
00:06:33: Ja es ist halt damit geschuldet dass diese Fehlindidifikation darauf zurückzuführen ist das das Stück halt nicht vollständig war.
00:06:40: Irgendwann wurde die Sammlung vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart aufgekauft.
00:06:46: Dort bei der Sichtung der einzelnen Fossilien ist halt eben einen unserer Cooutoren aufgefallen.
00:06:54: Strukturen auffällig denen von einem anderen sehr rätselhaften Reptil, was wir auch aus der Triaszeit kennen aber aus Kyrgyzstan.
00:07:02: Der sogenannte Longus Quama dass diese Hausstrukturen dem sehr ähnlich ausschauen.
00:07:08: und daraufhin hat man dann eben Veranlasst mal zu gucken ob man da ein Schädel findet und hat halt präpariert und siehe da und man hat eigentlich einen fast vollständigen Schädl freiliegen können ganz dedikat also die Knochen sind wirklich hauchdünn Und im nächsten Schritt wurde dann eine Synkrotronuntersuchung veranlasst, um ein RID-Modell von dem Schädel machen zu können.
00:07:31: Weil es einfach zu filigran ist, das vollständig aus dem Gestein rauszupräparieren und es wurde nachher sozusagen digital präpariert.
00:07:38: nochmal und auf die Art und Weise konnten wir einen vollständigen Schädl rekonstruieren.
00:07:43: Das handelt sich bei diesem Tier wahrscheinlich auch noch nicht um ein ausgewachsenes Tier sondern um ein Jungtier weil ich alle Knochen nähte am Schädle verwachsen sind und er halt im Hinterhaupt noch ein großes Loch aufweist, was häufig als Indikation für einen Jungtierstatus.
00:07:59: Wie bei Menschen die Fontanelle?
00:08:01: Genau es ist eigentlich die Fontanelle, die bilden Reptilien auch aus und wächst dann halt eben zu.
00:08:05: Und dann kann's tatsächlich sein wenn das jetzt neunzig Jahre dauert hat und in den Schubladen lag dass ist noch mehr Wunder saurier an den Schubladen vom Museum für Naturkunde gibt, ne?
00:08:16: Naja also sagen wir mal so.
00:08:17: Der Louis Graufvogel mag ja nicht der einzige Mensch gewesen sein, der an dieser Fundstelle gearbeitet hat und im Zweifel hat der ein oder andere Privatsammler, der dort auch mal gesammelt hat, auch Reste gefunden von Reptilien.
00:08:28: aber aus der Grauf Vogelsammlung sind uns nur die beiden Stücke bekannt.
00:08:31: Die wurden natürlich halt vollständig durchgeguckt um zu sehen was ist Pflanzenmaterial wie viel Fischer haben wir Und welche Inwertebraten gibt das?
00:08:39: Also es gibt da sehr schöne fossilfunde von Skorpion zum Beispiel wie als wenn sie gerade in den Stein gegossen wurden.
00:08:48: Der Fundort des Mirasauras, Gressa Volzia auf Deutsch der Wolzins Sandstein ist vor allem bekannt für seine fossilen Insektenfunde.
00:08:59: Hobbypalleontologe Louis Graufvogel hat dort neben dem Mirasaura über fünftausend gut erhaltene Insekte aus insgesamt zweihundert verschiedenen Gruppen gesammelt.
00:09:10: Insekten standen auch auf dem Speiseplan unseres Wundersauriers.
00:09:15: Vermutlich hat er sie mit seiner spitzen Schnauze aus engen Baumhöhlen herausschnabuliert!
00:09:21: Wie ein Äffchen
00:09:22: hatte sich wohl dabei, mit seinem Schmanz an den Ästen festgehalten.
00:09:27: Süß...
00:09:28: Der Mirasaurer ist ein Saurier und gehört zu den Saurobsiden.
00:09:33: Wer sich erinnert, aus dieser Gruppe sind später die heutigen Retilien und Vögel entstanden.
00:09:39: Und beim Manchen gibt es eine Besonderheit!
00:09:41: Ihr Schädel ist luftig leicht – hat er doch neben Augen- und Nase noch zwei Löcher mehr.
00:09:47: oder positiver ausgedrückt?
00:09:49: Zwei Fenster!
00:09:51: Praktisch damit man mal durchpusten kann!
00:09:54: Mit den Fenstern wird Gewicht gespart und die Saurier können stärker beißen, weil die Kiefermuskeln in den Fenster mehr Platz haben.
00:10:03: Andere Sauropsiden wie der T-Rex haben das übrigens auch.
00:10:07: Und bei den heutigen Vögeln haben sich beide Fenster zu einem Großen entwickelt und bieten noch mehr Leichtigkeit zum
00:10:14: Fliegen!
00:10:16: Wir hatten auch schon mal nach vergangenen Folge über den Stenochranio gesprochen.
00:10:20: Der Mira-Saura hat aber gar nichts mit ihm zu tun.
00:10:24: Er war ja aus der Karbon oder Permgrenze vor dreieinhalb Millionen Jahren, aus welchem Zeitalter stammt der Mira-Saura?
00:10:32: Das andere Tier das sagt mir jetzt vom Namen nicht, es wird wahrscheinlich ein Ursaurier gewesen sein also so ein Tier was den Übergang von den Amphibien zu den Reptilien darstellt.
00:10:41: Aber der Mira Sauera, der hat später gelebt er lebte in der mittleren Trias vor ungefähr
00:10:51: zweihundert.
00:10:55: Es
00:10:56: war zumindest sehr heiß oder trocken.
00:10:58: Und ja, im Allgemeinen war es wärmer als in der Permzeit.
00:11:01: In der Perm-Zeit hatten wir tatsächlich auch Eiszeiten mit gefrorenen Polen und das gab's in der Trias Zeit nicht mehr.
00:11:07: Tatsächlich war das Klima sehr viel wärmer.
00:11:10: Das war auch die Zeit wo wir die höchsten CO² Konzentration in der Atmosphäre hatten, Gleichzeitig war aber der Sauerstoffgehalt niedriger als heute.
00:11:20: Dass man das so einigermaßen klimatisch einordnen kann.
00:11:23: und eine Besonderheit ist, dass damals die Landmassen alle Kontinente, die haben eine große Landmasse gebildet – der Superkontinent Pangea.
00:11:31: Und große Landmaßentendieren halt dazu im Inneren trocken zu sein.
00:11:36: Man kennt es ja im Outback von Australien, die großen Sahara-Wüste oder eben die Steppen in Zentralasien Und von daher werden wahrscheinlich auch damals in der Triaszeit große Areale einfach Wüste gewesen sein, wo wir dann halt spärliche Vegetationen hatten.
00:11:53: Aber es gibt eine ganze Reihe von fossilen Vonstellen die uns halt eben zeigen dass es auch Regionen gab die ein eher tropisches Klima hatten und entsprechend finden wir dann auch Tiere und Pflanzen die das halt eben zeigen.
00:12:06: Zu welcher
00:12:07: Tiergruppe gehört der Mira Saurer?
00:12:08: Gehört er zu den Dinosauriern?
00:12:11: Nein, das ist eine eigene Reptiliengruppe die heute ausgestorben ist.
00:12:15: In der Triaszeit haben sich in einer ganze Reihe von Reptilian-Gruppen, sagen wir mal sind sie nicht unbedingt dort entstanden aber da haben sie ihre erste große Vierfalt bekommen.
00:12:24: und zwar ist der Hintergrund dass es ein Ausstärbereignis am Ende der Perm Zeit gab und das ist das größte Ausstärkeereigniss was wir in der Erdgeschichte kennen.
00:12:33: und wenn sozusagen die Erde einmal Tabula rasa macht danach haben alle überlebenden Organismen natürlich einen großen Spielplatz, um sich neu zu entfalten.
00:12:41: Weil alle möglichen ökologischen Nischen nicht mehr im vollen Umfang vorhanden sind und Konkurrenz
00:12:47: ist nicht mehr so groß.
00:12:48: Genau auch die ökologistischen Zwänge sind nicht so streng wie in einem ausgereiften Ökosystem.
00:12:53: Das heißt also man hat ein kleines Spielraum bisschen zu variieren und das wurde halt in der Triaszeit viel gemacht.
00:12:58: von unterschiedlichen Reptiliengruppen Und Mira Saurer können wir in eine Gruppe einordnen, die hier nennen wir Depranosaurier.
00:13:05: Welche Rolle spielten die Deprinosaurier am Ökosystem?
00:13:08: Die Depronosaurier waren alles kletternde Reptilien und wahrscheinlich entweder Insektenfresser oder im Zweifel auch Früchtefresser.
00:13:19: also es lässt sich schwer beurteilen wenn man jetzt keine Mageninhalte findet.
00:13:23: einige Vertreter zeigen Zahnstrukturen die darauf hindeuten dass diese Tiere Insektinge fressen haben andere tragen Schnäbel Und das könnte eben auch darauf hindeuten, dass die Nahrung vielfältiger war und diese alle Fresser waren.
00:13:36: in haben sich dann vielleicht im Zweifel vegetarisch ernährt.
00:13:38: Waren die eher Einzugänger?
00:13:40: Die Mira Saura oder so ein soziales Tier?
00:13:42: Das
00:13:43: wissen wir nicht!
00:13:43: Es hängt ja davon ab wie man diesen Hautanhänger auf dem Rücken dieser Tiere interpretiert.
00:13:49: Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass er sich hier bei Wahrscheinlichum eine Schauffunktion handelt, die diese Anhänger ausgeübt haben.
00:13:55: Entsprechend kann man dann vielleicht davon ausgehen, dass damit kommuniziert wurde und das diese Tiere vielleicht etwas geselliger waren.
00:14:02: Die Tiere haben auch sehr große Augen.
00:14:04: Das heißt also der optische Reiz war bei denen sehr wichtig Und das kann man zumindest in die Richtung deuten, dass das Ganze dann halt zur Kommunikation diente.
00:14:13: und das deutet eben wiederum darauf hin, dass diese Tiere nicht isolierte Einzelgänger waren.
00:14:19: Der
00:14:19: Rückenklamm ist sehr vergleichbar mit dem Spinosaurier dem Dinosaurier, der so ein großes Segel auf dem Rücken hat?
00:14:26: Nein nicht direkt.
00:14:27: Es gibt natürlich ganz viele Tiere die sozusagen Rückenkeime ausbilden und in der Regel sind diese Arbeit durch Verlängerung der Dornfortsätze auf den Wirbeln.
00:14:35: Also
00:14:36: Knochen.
00:14:36: Genau da sind
00:14:36: keine Haut.
00:14:37: Und diese Knochendornfortsetze werden dann halt eben mit einer Haut überspannt und sowas finden wir beim Spinosaurus aber auch bei die Metrodonnen aus dem Bromacker zum Beispiel.
00:14:47: Der hat solche langen Dornfortsetzen die zu einem Rückensegel umgewandelt wurden.
00:14:52: Und bei Mirazaurer handelt es sich aber auch mal eine reine Hautstruktur, das ist alles Keratinhorn.
00:14:58: Wie kommt's eigentlich dazu?
00:14:59: Dass Haut solche Strukturen bildet, ist ja faszinierend!
00:15:02: Ja, die Haut hat ein extrem hohes Potenzial an diversen Struktoren zu bilden.
00:15:06: also man denkt natürlich immer nur an Schuppen, Haare, Federn... Aber da gibt's halt eben noch ganz viel mehr.
00:15:14: Drüsen zum Beispiel sind Auch Hautstrukturen, also Schweißdrüsen oder halt Milchdrüse.
00:15:20: Dann können die Haut verschiedene lappenartige Strukturen ausbilden.
00:15:23: Es gibt diverse Form von Schuppen, die eine gewisse Form Vierfalt eben aufweisen.
00:15:29: Also zum Beispiel wenn man an die Klapperschlange denkt hinten in der Rasse das sind halt modifizierte Schuppe.
00:15:34: und es gibt noch ein andere Viper aus dem Iran, die hat ihr Schwanzende, die Schuppem so modifiziert dass diese sonnische Filamente dort hat.
00:15:41: Und das sieht halt so aus, als wenn die eine Spinne am Schwanzende hat mit der sie heute anlockt.
00:15:46: Beziehungsweise sie lockt damit potenzielle Räuber an, die Spinnen fressen und frisst dann die Räube.
00:15:52: Das ist sozusagen eine Mimigrie, die diese Viper halt ausführt mit ihrem Schwanz.
00:15:58: Die spezialisierten Schuppen sind aber eben Hausstruktur.
00:16:01: Und
00:16:02: bei dem Mira-Saura gibt es eine Theorie dazu, wozu dieser Kamm dann gedient haben könnte?
00:16:07: Hat er denn eine Funktion, muss er ja.
00:16:09: Wir gehen davon aus dass das Tier diese Sachen hauptsächlich nutzte für die Kommunikation.
00:16:14: Andere mögliche Rollen, die der Kamm hätte haben können ist zum Beispiel, dass es zur Tarnung gedient dass also diese einzelnen Strukturen halt vielleicht aussehen wie ein Blatt von einer Pflanze.
00:16:25: Allerdings haben wir ja aus beiden Lokalitäten, sowohl die aus Kirgiskanen als auch die aus Frankreich, ein bisschen was von der Flora erhalten und keine der Pflanzen ähnelt auch nur im Ansatz diesen Strukturn sodass wir das jetzt sagen wir mal aufgrund von Ähnlichkeitsunterschieden ausgeschlossen haben, dass das zur Tarnung diente.
00:16:44: Es kann im Zweifel auch zu Abschreckungen gedient haben, aber wir wissen halt eben nicht wie beweglich die Struktur am Ende war.
00:16:53: Es ist auch denkbar dass man damit Geräusche machen konnte indem diese Einzelstrukturen wenn sie in einem Kamm waren gegeneinander geklappert oder bewegt wurden und dann so eine Art Klappe entsteht oder sowas.
00:17:04: Das ist reine Spekulation.
00:17:06: Wir wissen nicht, wie die Strukturen in der Haut verankert waren.
00:17:09: Können Sie zum Schmuck gedient haben?
00:17:12: Ja, das würde im Zusammenhang mit der Schaufunktion einhergehen.
00:17:15: Wahrscheinlich sind diese Strukture nicht unbedingt für die Partnerwahl wichtig gewesen, weil das eine Jungtier, was wir eben haben ... Wir wissen noch nicht, ob es geschlechtsreif war, aber von der Größe der Fontanelle würden wir jetzt vermuten, dass es wahrscheinlich nicht oder noch nicht geschlextreif wäre.
00:17:32: Und wenn dem so wäre, dann würde die Struktur nicht unbedingt bei der Partnerwahl eine große Rolle spielen.
00:17:38: Sondern generell bei der Art-Kommunikation.
00:17:40: Aber
00:17:41: eigentlich muss es ja irgendeine Funktion haben.
00:17:42: oder denke ich da im evolutionären Sinne falsch?
00:17:45: Weil am Ende ist ja schon ein Nachteil, so einen großen Segel auf den Rücken zu haben ne?
00:17:48: Also das hat natürlich eine Funktion und Strukturen können ja verschiedene Funktionen haben.
00:17:52: und sagen wir mal dass es der Art Kommunikationsdienst stießt ja nicht aus, dass es nicht auch für die Partnerwahr am Ende eine Rolle gespielt hatte Aber es ist jetzt wahrscheinlich nicht allein für die Partnerwahl entstanden.
00:18:06: Ja, okay
00:18:07: so und natürlich ähnlich wie beim Faunschwanz kann das halt eben sein dass die Männchen damit versucht haben ihre Fitness irgendwie darzustellen um zu zeigen hey guck mal ich kann's mir leisten mit so einem Riesenkamm durch die Gegend zu laufen und eigentlich jedem Räuber sozusagen zu zeigen wo ich bin.
00:18:21: und trotzdem bin ich immer noch am Start und von daher bitte
00:18:25: Abstand nehmen
00:18:27: ja Ich bin da die richtige Wahl sozusagen.
00:18:30: Das wäre jetzt also zum Beispiel halt eben eine Art und Weise, wie die Struktur gedient haben könnte bei der Partnerwahl.
00:18:36: Auf der anderen Seite wir wissen halt nicht, wie ja Farbkodierung halt eben ausschaut.
00:18:40: Also selbst wenn man auffällig ausschaut heißt das nicht unbedingt dass man dadurch attraktiver für Räuber wird weil wir wissen eben, dass Räubers auf bestimmte Farbko- kombination vorsichtig reagieren weil sie häufig in Zusammenhang mit Giftigkeit in Verbindung stehen.
00:18:53: Z.B.
00:18:53: diese Farbkommination gelb und schwarz was wir vorhin Westen kennen z.B.. Und es kann also durchaus sein, dass Mierer Sauerer halt eine Farbkombination hatte die zwar auffällig war aber halt potenziellen Beutegreifen signalisierte er nicht.
00:19:06: Das ist vielleicht nicht so günstig den zu essen.
00:19:08: wir wissen das ja auch von vielen Giftfröschen und Kröten, dass sie eben besonders aufföllige Farben haben vom Feuer Salamander zum Beispiel auch.
00:19:15: Und diese Tiere rennen halt eben sehr offensichtlich durch die Gegend, aber rauchen keine Angst haben.
00:19:20: Weil sie wissen, wer mich frisst, spuckt mich gleich wieder
00:19:23: aus.".
00:19:23: Das soll nicht heißen, dass Mirazaro unbedingt giftig war – das wissen wir nicht!
00:19:26: Aber es könnte sein, dass er sich getarnt hat, indem er ein Vortäusch, das er giftig ist.
00:19:33: Das wäre dann auch eine Form von Mimigri.
00:19:36: Das ist zum Beispiel eine Spiepfliege und hat die entsprechende Färbung einer Wespe.
00:19:41: Ist aber ungefährlich... Aber wird im Zweifel nicht von einer Spalbir gefressen, weil sie denkt besser nicht.
00:19:48: Dann werde ich
00:19:48: gestochen.".
00:19:52: Was der Miras Saurer mit seinem Rückensegel gemacht hat?
00:19:56: Das bleibt wohl erst mal ein Rätsel!
00:19:58: Dafür hat er aber mit seinem Rückenkam ein ganz anderes Rätsell gelöst.
00:20:09: Ein seltsames versteinertes Reptil aus Kyrgyzstan mit Hautauswüchsen ähnlich wie den Miras Saurer.
00:20:16: Federartige Anhänge auf dem Rücken, wie ein großer Fächer!
00:20:20: Erster Gedanke?
00:20:22: Von dem stammen sicher die heutigen Vögel ab.
00:20:25: Damit wären dann die Dinosaurier als Vogelvorfahren raus gewesen.
00:20:30: Über die Jahre war aber klar – Dinos und Vögeln sind direkte Verwandte.
00:20:35: Mittlerweile wissen wir, dass viele von ihnen ein Feder- oder Flaumkleid getragen haben.
00:20:41: Hört dazu gerne in unsere T-Rexfolge rein!
00:20:44: Nachdem das geklärt war ließ sich Longes Quarman nicht mehr so recht einordnen und wurde vorsorglich von den Wissenschaftlerinnen ignoriert.
00:20:53: Mit dem Mierer Saurer allerdings ist jetzt klar – die Evolution hat mehrere Spielarten.
00:20:59: Schon früher Reptilien konnten Merkmale ausbilden, die es später in ähnlicher Form bei Dinosauriern und Vöbeln gab.
00:21:07: Die Evolutionsgeschichte ist also nicht schwarz-weiß – und zwischen gefiederten Dinosaurean und schuppigen Reptilian gibt's noch viel mehr Variationen!
00:21:17: Das Vogel-Image mit der Mirasauer Graufoge leer aber trotzdem schwer los hat er doch ironischerweise das Wort Vogel schon
00:21:25: im Namen.
00:21:27: Hatte der Mira Saura noch andere Vogelmerkmale?
00:21:30: Auf dem Bild sieht die Schnauze ja nach Schnabel aus.
00:21:32: Also, der Mira-Saura hatte Zähne aber die schnauzenspitze war halt zahnlos und es gibt auch andere Depranosaurier, die komplett keine Zähnen besessen haben und da ist es dann tatsächlich anzunehmen dass sie halt einen Hornschnabel hatten stattdessen ansonsten was natürlich an dem Vogel erinnert ist insgesamt die Form des Schädels, eben dass man halt eine Spitze hat.
00:21:54: Diese großen Augen und auch einen relativ großen Gehirnschädel im Verhältnis zum Rest des Schädels, diese sehr delikaten Kiefer.
00:22:01: aber am Ende des Tages wie gesagt ist die Ähnlichkeit wahrscheinlich doch eher mit einer Anoles-Eilechse vorhanden.
00:22:08: bis auf diese Hautanhänger auf dem Rücken gibt es dann einem nichts was jetzt wirklich darauf hindeutet das das irgendwas mit Vögeln zu tun haben könnte.
00:22:16: das Tier Extremitäten sind fürs Klettern angepasst, aber das Tier hat halt eben wie gesagt schon vom Körperbau eher so die Erscheinungsform eines Chameleons gehabt.
00:22:26: Es gibt auch einige Depranosaurier, die wir das chameleon sehr spezialisierte Hände und Füße halten, die nicht nur über das Klettern hinausgegehen, sondern es gibt mindestens eine Art, die ihre Hände so umfunktioniert hat dass sie damit wahrscheinlich in Rinden und Astlöchern reinstochern konnte, um dort Insekten zu jagen.
00:22:46: Ähnlich wie das Fingertier auf Madagaskar.
00:22:48: Aus den Dinosauriern bzw aus der Linie der Dinosauria sind ja flugfähige Federtiere, aka.
00:22:55: Vögel entstanden.
00:22:56: Beim Mirasaura ist es nicht so?
00:22:59: War das eine Art evolutionäre Sackkasse?
00:23:01: oder kann man sich erklären dass nichts sich aus dem Mirasauer evolviert hat?
00:23:06: Also die Pranosaurier sind tatsächlich am Ende der Triaszeit ausgestorben.
00:23:11: Dort gab es ein zweites Massensterben.
00:23:14: Die Kriaszeit ist von zwei Massenstärben eingegrenzt, einmal das Große am Ende des Perms und dann eins zum Beginn des Juars.
00:23:20: Und die Pranosaurier haben zumindest nach jetzigen Stand der Erkenntnis dieses zweite Massen-Sterben nicht überlebt.
00:23:28: Bei Massen Sterben ist immer so eine Sache.
00:23:30: Wer da überleibt und wer nicht?
00:23:31: Das ist häufig auch eine Frage des Zufalls.
00:23:34: Wer am richtigen Ort zur richtigen Zeit ist hat vielleicht ne gute Chance.
00:23:40: Überlebt er nicht, auch wenn er in Zweifel generell gute Anpassung besessen hat für die damalige Situation.
00:23:46: Aber wie gesagt so ein Massensterben an sich ist ja dann halt nochmal eine extremen Situation wo das ganze Ökosystem halt sagen wir mal auf null gesetzt wird.
00:23:54: fast und die wenigen-wenigen überleben müssen man halt eben neu aufbauen.
00:23:58: deswegen würde ich nicht unbedingt sagen dass es eine evolutionäre Sackgasse ist dahingehend dass diese Tiere nicht in der Lage waren sich genug anzupassen sondern eher im Gegenteil, diese Tiere zeigen teilweise extreme Spezialisierung die auf eine hohe Anpassungsfähigkeit hindeuten.
00:24:13: Aber sie haben halt leider nicht dieses Massensterben am Ende überlebt.
00:24:17: Warum geht man heute davon aus dass Federn ursprünglich nicht fürs Linge entstanden sind?
00:24:21: Weil wir mittlerweile in der ganzen Menge Raubdinosaurier kennen Die Federn besitzen haben, die keinerlei aerodynamischen Eigenschaften besitzt.
00:24:28: Die ersten Federn die wir bei Raub-Dinosauriern kennen sehen tatsächlich eher aus wie Haare oder Borsten Sind wahrscheinlich einfache Hohle, Filamente.
00:24:38: An
00:24:38: welchen Sauchenden wurden die gefunden?
00:24:40: Einer kommt sogar aus Deutschland.
00:24:42: Der Juravinato und das Gyromimus haben beide solche Filamente am Schwanz erhalten.
00:24:47: Und die sind halt eben in ihrem Aussehen eher mit Haaren vergleichbar.
00:24:50: Aber sie sind keine Haare sondern Vorstufen von Federn.
00:24:53: Und moderne Vögel können auch solche Arten von Federen bilden aber nichtsdestotrotz.
00:24:58: Auch viele Tyrannosaurus hatten wahrscheinlich diese Form von Federm Körperisolierung als Wärmeschutz genutzt worden und auch eben zu Tarnung oder Kommunikation, je nachdem wie auffällig sie halt ausgebildet waren.
00:25:13: Evolution ist ja wie ein riesiges Puzzle auf das man guckt wo immer wieder Puzzleteile fehlen und in dem Moment wo wir Fundstücke haben können wir bestimmte evolutionäre Verknüpfungen besser verstehen.
00:25:28: Und inwiefern hilft uns da der Mira sauber?
00:25:31: den späteren Archäopterics besser zu begreifen.
00:25:34: Na ja, sagen wir mal so... Dadurch dass Longus Quama einmal als potenzieller Vogelvorfahren gehandelt wurde und seine Schuppen als potentielle Vorstufen der Federn hat uns Mira Saurer jetzt geholfen den Longus Cuama vernünftig in dem Stammbaum der Reptilien einzuordnen.
00:25:50: Und wie kann ich es eben sagen?
00:25:51: Der hat nichts mit Vögeln zu tun und das wiederum gibt Archäopterex Position als eigentlich das wichtigste Tier, was den Übergang vom Dinosaurier zum Vogel eben darstellt.
00:26:03: Zumindest im historischen Kontext.
00:26:05: und es ist auch heute immer noch der erste flugfähige Vogelforfahrer, den wir halt im Fossilbericht kennen.
00:26:11: Und
00:26:11: er steht im Museum für Naturkunde?
00:26:13: Genau!
00:26:13: Einer davon ist ein Museum für Naturkunde und er ist auch einer der schönsten.
00:26:17: Wir
00:26:17: kommen jetzt zum Teil den unsere eingefleischten Hörerinnen schon kennen.
00:26:21: ohne unseren treuen Kooperationspartner die Berliner Sparkasse ist dieser Podcast ja gar nicht möglich.
00:26:26: Und auf dem Instagram-Account der Berliner Sparkas und vom MFM Berlin seid ihr, liebe Hörerinnen immer schon vor den nächsten Beats und Bonesfolge gefragt.
00:26:34: Von uns gibt es nämlich ein Reel mit einer Schätzfrage für euch bei der ihr fleißig mitraten dürft.
00:26:41: Die Auflösung gibt es dann immer hier im Podcast professionell beantwortet von den Expertinnen und Experten des Museums.
00:26:47: Christian heute bist du dran!
00:26:49: Und die Frage lautet wie viele verschiedene Federarten also Grundtypen unterscheidet man heute grob in der Evolutionsforschung?
00:26:56: A. Etwa fünf Typen oder B. Etwas zwanzig Typen?
00:27:00: Tatsächlich haben Vögel ein großes Portfolio an verschiedenen Federtypen, aber die Grundtypen dazu zählen die Konturfedern, die Dunenfedern, Die Halbdunnen, die Borstenfedern ,die Puderduenen und die Filamentfedern.
00:27:18: Dabei sind die Filament- und die Borstenfedern Speziell, weil das die einzigen Federtüpen sind.
00:27:24: Die auch mit dem Nervensystem in Verbindung stehen.
00:27:26: darüber können Vögel fühlen.
00:27:28: Mit allen anderen Federtypen können sie das nicht.
00:27:30: Wow
00:27:31: Christian!
00:27:32: Vielen vielen Dank für den Einblick und schön dass du da warst.
00:27:34: Ja
00:27:34: gerne geschehen danke schön.
00:27:37: Von wunderlichen Sauriern geht's in der nächsten Folge in den Weltraum wieder den Bogen schlagen Ganz easy.
00:27:45: Ein tragisches Ereignis hat eine Untergruppe der Saurier ziemlich erwischt, die Dinosaurier wurden durch den Einschlag eines Asteroiden auf der Erde zur Geschichte.
00:27:56: Mit Tanja Michalik schauen wir uns die Welt der Asteroid mal ganz genau an!
00:28:01: Denn sie sind nicht weniger als Zeugen unserer Erdinstehung.
00:28:06: See you in space – bis dann.